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AUSSTELLUNGEN 2020

René Haustein - FIEL FU KUNFT                                       24.01. - 20.2.2020        

Den Auftakt des Jubiläumsjahres bei der galerie januar – gegründet vor 40 Jahren – bildet die Ausstellung FIEL FU KUNFT, des in Bottrop geborenen Künstlers René Haustein (*1988), die am Freitag (24. Januar), um 20 Uhr eröffnet wird. Haustein studierte zunächst freie Kunst bei Daniele Buetti an der Kunstakademie in Münster und wurde bereits mit zahlreichen Preisen geehrt. Darunter dem Förderpreis des Westfälischen Kunstvereins Münster (2010), der Studienstiftung des Deutschen Volkes (2012) oder dem Kunstpreis der NRW Bank (2017).
Das künstlerische Schaffen von Haustein ist äußerst vielschichtig und reicht von konzeptuellen Werkkomplexen über beinahe schon klassisch zu nennende Skulpturen und Zeichnungen. Aber auch Installation, Video- und Soundarbeiten sowie Performancekunst spielen eine wichtige Rolle. Oftmals sind es Alltagssituationen oder persönliche Erfahrungen, die Haustein in seinen Werken mit einem leichten Augenzwinkern verarbeitet.
In seiner Ausstellung für galerie januar e. V. befasst er sich mit den vermeintlich großen und kleinen Fragen der Menschheit. „Es geht um Fiel, es geht um Fu, es geht um Kunft!“, so der Künstler, „die Ausstellung ist kein Modell des Universums, sie ist ein Haus, von dem aus das Universum reflektiert und transformiert wird“.
Was zunächst abstrakt klingt, wird beim Besuch der drei Etagen des Galeriegebäudes deutlich.
Mittels Video- und Soundinstallationen schafft er einen ganz eigenen Blick auf den Kosmos und das Weltgeschehen. Im Erdgeschoss taucht der Besucher ganz unmittelbar in Hausteins Universum ein und kann einen Blick in ferne Galaxien werfen. Dabei verschmilzt sein eigener Schatten mit dem himmlischen Bild. Untermalt wird die Inszenierung von Textfragmenten, die sich direkt an den Betrachter richten und dessen eigenes Weltbild befragen: Wie groß ist dein Universum? Willst du es vergrößern oder verkleinern?
Das Obergeschoss ist im Gegensatz dazu in warmes Licht getaucht und erinnert an einen romantischen Sonnenuntergang. Sphärische Musik lädt zum Träumen ein, wären da nicht die Zweifel, die sich in allen Ecken befinden. Alles nur ein trügerisches Bild? Die vermeintliche Antwort darauf befindet sich im Keller. In beinahe kindlicher Manier hat Hausteil hier ein Schloss errichtet. Oder viel eher eine Trutzburg, die von einer Welt der Abgrenzung und Abschottung erzählt und nicht vom freien grenzenlosen Raum.
In Hausteins Ausstellung prallen Utopien und Realität direkt aufeinander und fordert heraus: In welcher Welt wollen wir leben, wie können wir Zukunft gestalten und welchen Beitrag leistet am Ende auch die Kunst.

                                                                                                                                                                        Gefördert von:                                                                                                      Text: Thomas Hensolt                

AUSSTELLUNGEN 2019

Justyna Janetzek - match                                            08.11 - 12.12.2019 

Justyna Janetzek (*1986 in Klosterbrück/Polen), derzeitige Kunstgenerator-Stipendiatin der Stadt Viersen, ist vor allem bekannt für ihre skulpturalen Intervention, die zumeist in direkter Verbindung zu ihrer Umgebung stehen.
Diese Vorgehensweise spiegelt sich bereits im Titel der Bochumer Ausstellung wider. „match“ hat die Künstlerin die für galerie januar konzipierte Schau genannt. Dabei geht es ihr nicht um das Spiel oder den sportlichen Wettbewerb zwischen den Räumlichkeiten und ihren Werken, sondern vielmehr verwendet sie das englische Verb im Sinne von anpassen, entsprechen oder übereinstimmen. Typisch für die Arbeitsweise der Meisterschülerin von Maik und Dirk Löbbert ist die intensive Auseinandersetzung mit den architektonischen und landschaftlichen Besonderheiten des jeweiligen Ausstellungsortes. So greift Janetzek Formen, Farben oder Ordnungsstrukturen der jeweiligen Räumlichkeiten auf, verstärkt oder konterkariert diese, wodurch sich für den Betrachter ein spannendes Wechselspiel zwischen Vertrautem und Fremdem ergibt und nicht nur die Skulpturen sondern auch bekannte Orte und Räume neu entdeckt werden können.

Für ihre Skulpturen greift die Künstlerin auf Materialien wie Stahl und Eisen zurück, die jedoch trotz der Schwere des Materials zumeist leicht und luftig wirken und somit ihren wahren Charakter zu negieren scheinen. Dies erreicht Janetzek zum einen durch die Verwendung einer Art Modulsystems, das sie selbst entwickelt hat, zum anderen durch die farbige Gestaltung und die Einbeziehung von Licht und Schatten.

Als Grundelemente für ihre skulpturalen Werke dienen ihr zunächst eigens gefertigte Vierkantrohre, die sie immer neu kombiniert und die als Auflage für dünne, zumeist geometrische Flächen dienen. Eben jene Flächen werden in der Regel mit leuchtenden Industriefarben und -lacken in weiß, gelb, orange oder blau gefasst, während die Vierkantrohre oftmals unbehandelt bleiben und so die schillernde, tiefschwarze Färbung des Eisens sichtbar bleibt. Durch den Wechsel von Linie und Fläche erscheinen die Skulpturen wie dreidimensionale Übersetzungen ihrer Zeichnungen, wie sie die Künstlerin ebenfalls in galerie januar zeigt.

Diese sind jedoch als eigenständige Werke und nicht etwa als Skizzen oder Vorzeichnungen zu verstehen. Bisweilen entfalten sich auf den Zeichnungen Formen, Muster und Farben von realen Orten, Plätzen oder Gebäuden. Allerdings werden diese so fragmentarisch verwendet, dass ein wahres (Wieder)Erkennen nahezu unmöglich ist. Viel mehr fühlt sich der Betrachter an utopische Architekturen erinnert, wie sie in Endzeit- oder Science-Fiction-Filmen häufig auftauchen. Dabei scheinen die Formen vor dem weißen Untergrund zu schweben, fast als wären sie computergenerierte 3D-Modelle.  
Wie ihre Skulpturen bewegen sich auch die Zeichnungen an der Schnittstelle zwischen Fiktion und Realität, zwischen immateriellen Leichtigkeit und der materiellen Schwere.

 

Gefördert von:                                                                                                    Text: Thomas Hensolt                                                                                               

Christine Moldrickx - Fata Morgana                                 13.09. - 17.10.2019

Unter dem Titel „Fata Morgana" zeigt Christine Moldrickx in galerie januar e.V eine Auswahl ihrer neuesten, 2019 entstandenen Arbeiten. Im Gegensatz zu ihren skulpturalen Objekten und Installationen hat sich die Künstlerin in Bochum auf vergleichsweise flache Arbeiten beschränkt: Ähnlich aber wie in ihrem übrigen Werk, das sich der unterschiedlichsten Materialien und Medien bedient, sind auch die beiden Serien, aus denen Christine Moldrickx Beispiele im Erd- und Obergeschoss des Galeriegebäudes zeigt, nicht so leicht auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Denn man sieht auch hier durchaus Unterschiedliches, ja Heterogenes, nämlich einerseits eine Serie thermografischer Bilder, die sich einem anonymen fotografischen Apparat verdanken, und eine Serie von handgemalten, individuellen Aquarellen andererseits.

Was erstens die Thermografien oder sog. Infrarotaufnahmen angeht, so hat sie Christine Moldrickx mithilfe eines kleinen Zusatzgerätes mit ihrem Smartphone fotografiert und die digitalen Daten anschließend auf analogen Diafilm belichtet. Mit Hilfe der Karussells mehrerer Diaprojektoren werden die so entstandenen Lichtbilder nun in ständigem Wechsel unablässig in unterschiedlichen Größen und Rhythmen an die Galeriewände geworfen. Da die Infrarotfotografie Lichtwellen nutzt, die länger sind als diejenigen, die für unser unbewaffnetes Auge sichtbar sind, erscheinen auf den Wänden des Erdgeschosses Wärmebilder mit ihren Falschfarben, wie man sie aus militärischen Zusammenhängen, Waldschadenskartierungen oder auch Gebäudeaufnahmen kennt, welche Wärmeverluste am Dach oder der Fassade aufdecken. Ähnlich wie Röntgenbilder die verborgenen Bilder unseres Körperinneren zeigen, visualisieren die unterschiedlichen Farben thermografischer Bilder mit ihren charakteristischen verschwimmenden Konturen die normalerweise unsichtbaren Temperaturstufen von Ding- und Körperoberflächen, so dass selbst das Alltäglich-Bekannte in ungewohntem Licht erscheint. Ohnehin reichen die Bildeindrücke bei Moldrickx vom gegenständlich Wiedererkennbaren wie beispielsweise einer Katze, einem Auto oder einer Rolltreppe bis hin zu völlig ungegenständlichen Farbanordnungen. Angesichts der Diabilder, deren Motive zwischen Totaler und Nah- und Detailaufnahmen wechseln, kann und soll es dem Betrachter keineswegs immer gelingen, die fotografischen Vorlagen zu entziffern, und nur hier und da wird man nach gegenstandsfreien Farberscheinungen bestimmte Details von Körpern und Dingen erkennen. Häufig meint man vom Äußeren ins Innere der Dinge und Körper zu sehen, obwohl die Thermografien lediglich die Wärme in Form von Infrarotstrahlung an der Oberfläche erfassen oder genauer: die Abstrahlung, welche die Oberfläche umhüllt. Dabei gehört es sicherlich mit zum Überzeugenden der von Christine Moldrickx` gefundenen Präsentationsform der Thermografien als Diashow, dass die Projektoren nicht nur als technisch-anonyme Instrumente der Bilderzeugung zur Geltung kommen, sondern selbst gewissermaßen Lebendigkeit gewinnen, indem sie ihrerseits im Betrieb Wärme erzeugen, welcher die Lüftung im Inneren beständig entgegen arbeiten muss. Angesichts der wechselnden Bilderfolge mag man sich unwillkürlich fragen, ob nicht irgendwann auch der Diaprojektor selbst zum Gegenstand der Fotos wird.

Was sodann zweitens die handgemalten Aquarelle angeht, so handelt es sich um eine Reihe DIN A3 großer Blätter aus einem Skizzenblock, die ohne jede Rahmung oder Passepartout direkt an die Wände des Obergeschosses geheftet sind. Sie gehören ganz offensichtlich zusammen und variieren – bei allen Unterschieden im Einzelnen - ein gemeinsames Thema: Denn ihr von Blatt zu Blatt mehr oder weniger deutlich erkennbarer Bezugs- und Ausgangspunkt liegt in der Darstellung eines Donald Duck, wie ihn Christine Moldrickx auf dem Cover eines Malbuchs für Kinder entdeckt hat. Die Darstellung der bekannten Comicfigur hat die Phantasie der Künstlerin offensichtlich nicht allein aufgrund ihres allgemeinen anthropomorphen Charakters und dem überzeichneten, vielfältigen Gesichtsausdrucks geweckt, sondern mehr noch spielt offensichtlich das Besondere der Darstellung eine Rolle, das darin besteht, dass Donald Duck gezeigt ist, wie er mit dem Pinsel in der Hand dabei ist, sich selbst zu malen. Das Selbstreflexive des Selbstbildnisses der Ente als Künstler ist das Entscheidende. Wie sollte es auch verwundern, dass gerade eine Darstellung, in der im Gemalten der Akt des Malens selbst thematisch ist und das Geschöpfte sich nicht der Hand des Zeichners Carl Barks verdankt, sondern als Schöpfung aus sich selbst heraus gegenwärtig ist, die Künstlerin Christine Moldrickx auf besondere Weise herausfordern und zu einer Reihe von eigenen malerischen Varianten veranlassen kann. In ihren aquarellierten Metamorphosen des Vorbildes, welche unter Beibehalt wesentlicher Merkmale des Cartoons wieder zwischen Total- und Detailansichten der Entenfigur wechseln, findet man zumeist den Pinsel in der Hand mit eben jener Farbe, welche das jeweilige Blatt bestimmt, an herausgehobener Stelle mitgemalt. Auffällig aber ist dabei, dass Christine Moldrickx in ihren Aquarellen den Körper von Donald Duck im Unterschied zur Vorlage gleichsam durchsichtig macht auf sein Innenleben: so sieht man überall durch die Körperhülle hindurch auf sein Knochengerüst und mitunter auf Organe oder beispielsweise eine leuchtend rote Zunge, die auf einem der Blätter als menschlich wirkendes Detail blattbeherrschende Größe gewinnt. Überhaupt sind die Übergänge vom Tierischen ins Menschliche wie vom Äußeren zum Inneren auf den Aquarellen fließend. Gerade in solchen Übergängen bekundet sich die Lebendigkeit und Offenheit von Moldrickx` Darstellungen, und gerade darin auch liegt – über alle Unterschiede hinweg – zugleich doch ein Gemeinsames zwischen ihren Blättern und den thermografischen Bildern.

 

Text: Ulrich Fernkorn


Gefördert von:

Sebastian Dannenberg - Undefined                                 17.05. - 04.07.2019 

Sebastian Dannenberg lotet in seiner künstlerischen Praxis die offenen Möglichkeiten zeitgenössischer Malerei aus. Nur selten verwendet er klassische Bildträger auf Keilrahmen, sondern arbeitet direkt auf der Ausstellungswand, bindet aber auch gerne die Decke, den Boden und weitere raumstrukturierende Elemente ein. Als Farbe verwendet er handelsüblichen Lack, den er einfarbig aufträgt – als Fläche oder Streifen, mitunter entstehen aber auch übergroße Worte in Spiegelschrift, die in ihrer Ästhetik amerikanischen Billboard-Werbetafeln entlehnt sind.
Die Erweiterunfg der Malerei wurde bereits seit den 1960er Jahren vielfältig erprobt. In der Tat zeugen Dannenbergs Arbeiten von einer Auseinandersetzung mit Positionen der Minimal und Conceptual Art. Es gibt aber auch deutliche Bezugnahmen zur konstruktiv-abstrakten Malerei und den Konzepten des Suprematismus. Dannenberg hat vor diesem Hintergrund eine ganz eigenständige und auch zeitgenössische Position entwickelt. Seine ortsbezogenen Arbeiten sind in der Regel nicht auf Dauer angelegt, sondern verschwinden nach der Ausstellung unter den geweißten Wänden. Es sind Markierungen auf Zeit, die aber dessen ungeachtet eine besondere Präsenz und Intensität entfalten. Dannenberg lässt sich von den architektonischen Gegebenheiten inspirieren, hebt sie hervor ubnd ergänzt sie bisweilen um weitere architektonische Elemente, um einen Vorsprung, eine Rundung oder ein mehrteiliges Lattengerüst. Vielfältige und bedenkenswerte Bezüge zwischen Ort, Betrachter und künstlerischer Setzung entstehen. (Ingo Claus, Weserburg / Museum für moderne Kunst)

 

Sebastian Dannenberg (geb. 1980 in Bottrop, lebt und arbeitet in Bremen) zeigt in der galerie januar unter dem Titel „UNDEFINED“ eine neue, auf die Örtlichkeit der drei übereinander gestaffelten kleinen Ausstellungsräume bezogene Betonarbeit, welche die Verortung und Festschreibung von Malerei im Raum thematisiert.


Weitere Information zum Künstler finden Sie unter: http://sebastiandannenberg.com/


Gefördert von:

Johannes Specks - Blauschimmel                                  8. März  - 18. April 2019

Die Farbe von Blauschimmel, blauschimmelblau. Die Farbigkeit des angestrichenen
Dielenbodens von januar, die erste Assoziation beim Betreten der Räumlichkeiten. Zur
Ausstellung ein blaues Leuchtobjekt im Dunklen, künstlerische Experimente in Lithografie
und Stickerei, blaue Elemente in raumgreifenden Installationen mit Linolplatten und Keramik,
eine blau gefärbte von der Decke hängende Stoffbahn.
Das Spiel mit verschiedensten Materialitäten und Oberflächen, vereint durch ihre Farbigkeit,
immer wieder der Bezug zur eigenen Person, zur eigenen Vergangenheit, ausgedrückt in
komplexen installativen Arbeiten. Die Wiederverwendung von Elementen aus bestehenden
Arbeiten und die Integration von neuen Ideen, neuen Objekten, lassen in januar gänzlich neu
konzipierte Arbeiten entstehen, inspiriert durch die Farbe des Blauschimmels. Schlussendlich,
die Liebe zum Essen, ein Stück Blauschimmelkäse als Gaumenschmaus, als Eröffnung und
Abgang, zur Öffnung des Magens, der Augen, eine Einladung zum genaueren Hinschauen.

 

Johannes Specks, geboren 1991 in Aachen, ist derzeit Meisterschüler von Prof. Martin Honert
an der HfBK Dresden.

 

Weitere Information zum Künstler finden Sie unter: http://johannesspecks.de/

 

Gefördert von:

Malte Frey - The Causa Sui-Project                             11. Januar - 14. Februar 2019

Mit dem Ausstellungstitel „The Causa Sui Project“ spielt Malte Frey (*1990) auf die Überlegungen des amerikanischen Sozialanthropologen Ernest Becker an, der damit die Dualität des menschlichen Lebens zu fassen suchte. Auf der einen Seite der sterbliche Mensch, auf der anderen Seite die Suche nach dem Sinn des Lebens bzw. einer sinnstiftenden Narration und der damit verbundenen Unsterblichkeit. Jede Ideologie hat dabei ihre eigene Vorstellung und Normen entwickelt, um den Konflikt zwischen Sterblichkeit und Lebensmut zu überbrücken. Becker sieht darin das größte Konfliktpotential der Menschheit, da jeder Wahrheitsanspruch versucht zu beweisen, dass sein Glaubenssystem den anderen überlegen ist und so zu einer besseren Lebensweise führt. Zwangsweise entstehen so laut Becker Krieg, Bigotterie, Genozid oder Rassismus.


Fragestellungen, mit denen sich auch Frey in seinen Malereien befasst. Vor allem Gewalt spielt dabei in seinen jüngsten Arbeiten eine zentrale Rolle. Jedoch geht es dem Künstler nicht darum, Schreckensszenarien, wie sie aus unzähligen Bildern aus aller Welt und allen Zeiten bekannt sind, wiederzugeben. Die von ihm gezeigten Szenerien lassen Fiktion und Realität, (individuelle) Wahrheit und Wahrhaftigkeit miteinander verschmelzen.
Besonders deutlich wird dies in seinem, für die Ausstellung gefertigten Wandgemälde, das sich über zwei voneinander getrennte Etagen erstreckt. Hier nutzt er zum einen Motive aus Computerspielen, wodurch die Gewalt eher surreal und in Form einer dauerhaften und unsichtbaren Bedrohung erscheint. Denn es sind nicht geschundene oder verletzte Körper, die er zeigt, sondern die aus Egoshootern bekannten Fadenkreuze oder Waffen haltende Hände, die sinnbildlich für Gewalt stehen. Verbunden werden diese zum anderen mit Bildern des persönlichen Alltags und den Erfahrungen von Frey. Vor allem sein Aufenthalt in China, speziell die riesigen Menschenströme in den Städten, spielt dabei eine wichtige Rolle. Comicartig verdichtet, verschränkt sich tatsächlich Erlebtes mit virtuell Erfahrenem, wodurch sich eine konkrete Geschichte jedoch nicht klar erfassen lässt. Dies liegt nicht zuletzt in der reduziert-abstrahierenden Farbigkeit – Schwarz, Weiß und Grün – und in der Trennung des Bildes begründet, wodurch der Maler Raum für die eigenen Gedanken des Betrachters schafft.

Auch die gezeigten Gemälde bieten Anlass für persönliche Überlegungen, wenn auch in anderer Weise. Einer Collage ähnlich, werden verschiedene Motive – mal abstrakt, mal figurativ-narrativ – auf der Leinwand arrangiert. Dicker, kräftiger Farbauftrag und Pinselstrich, gespachtelte und lasierende Partien wechseln sich ab und stehen doch gleichberechtigt nebeneinander. Sie sorgen – nicht zuletzt durch das langgestreckte Hochformat – zunächst für eine gewisse Orientierungslosigkeit und dennoch wirken die Gemälde dabei keinesfalls willkürlich oder chaotisch. Fast so scheint es, als würde man bei der Betrachtung, durch verschiedene Welten wandern, die getrennt und doch zusammen existieren. Im Sinne Ernest Beckers ein Spaziergang durch die physische und die erdachte Welt. In diesen Bildern offenbart Frey nicht nur die gesamte Palette seines malerischen Könnens, sein Neugier an Farbe, Material und Oberflächenstrukturen sondern auch sein Interesse an relevanten Geschichten, in der persönliches und allgemeines miteinander verschmelzen. Auch wenn am Ende der Betrachter selbst zum Erzähler der Geschichte wird.
                                                                                                           Text: Thomas Hensolt

 

Weitere Informationen zum Künstler finden Sie unter http://maltefrey.de/

 

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