RAYMUND KAISER: über malen

1993

(c) Raymund Kaiser

über malen

...So sind die Malereien Raymund Kaisers vom Farblichen her gesehen beispielsweise auf zwei unterschiedliche Formen der Wahrnehmung hin angelegt. Es sind Bilder der starken Wirkungen und zugleich Bilder der feinen Differenzen. Der Signalcharakter mancher Farben läßt sich einer Strategie der starken Wirkung zurechnen, die den Blick anzieht und das Bild zu einem Objekt werden läßt, dem man sich annähern will, um es genauer zu studieren. Ähnliches gilt für die - wenn auch subtiler sich zeigenden - Kontraste zwischen den zwei Farben auf einem Bild. Weil der Stimulus der plakativen Fernwirkung relativ stark ist, können auf den ersten Blick nur die großen Unterschiede wahrgenommen werden.


Nähert man sich dem Bild, so schlägt diese Art der Wahrnehmung in eine entgegengesetzte Form um. Sie beruht auf der Tatsache, daß unser Unterscheidungsvermögen größer wird, je feiner die Unterschiede sind. Gerade die nahsichtige Betrachtungsweise eröffnet einen ungemein großen Spielraum für die Entdeckung der ganzen Bandbreite von Differenzierungen, die sich aus Farbe, Farbauftrag und Lichteinfall ergeben. ...


...Die Grundidee seiner Malerei besteht darin, eine Farbsituation herzustellen, die sich auf die Farbigkeit des Bildträgers bezieht, indem eine zweite Farbe ausgewählt und aufgetragen wird. Bei den meisten neuen Arbeiten ist der Farbkontrast eher subtil, wodurch die Art und Weise des Farbauftrages stärker zur Geltung kommen kann. ...


...Die Wahl der Bildträger, aber auch die emotionale Zurückhaltung beim Farbauftrag lassen sich als Gesten verstehen, die einen Bezug zur alltäglichen Lebens- und Erfahrungswelt aufnehmen. ...

 

Text: Tobias Gerstner

 

 

Weitere Informationen zu Raymund Kaiser unter www.raymundkaiser.de

 

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