ANNETTE BESGEN: Brückenschlag

16. September - 27. Oktober 2005

Die Übersteigung des Alltäglichen gelingt, weil Annette Besgen den in der Wirklichkeit gefundenen Motiven das Erzählerische entzieht. Sie konzentriert ihre Blicke auf das Schattenreich unter den Brücken, auf die Fahrbahnen, Gehwege, zeigt manchmal die Ausbreitung der Schatten vom Boden zu den Hausfassaden, blendet dabei aber bewusst alles Lebhafte aus.
Insofern sieht sich der Betrachter einer zutiefst irriterenden Dialektik von Abbild und Bild gegenüber. Die Bilddaten sind offenkundig aus der Wirklichkeit des urbanen Raums abgeleitet, geben aber nur rudimentär Auskunft über diese.

Es ist der besondere Vorzug, daß die Künstlerin in der Lebenswirklichkeit genau die Bilder findet, die dort bereits bildhaft sind. Deshalb erscheinen sie im gezeichneten und gemalten Bild sowohl realistisch als auch kompositorisch glaubwürdig. Außerdem ist nicht allein das das Bild bestimmende, sondern auch das in der Wirklichkeit der Städte gefundene Phänomen immateriell.

Annette Besgen zeigt uns keine Dingwelt, sondern die durch die Sonnenstrahlen bewirkte Abbildung von Dingen auf Straßenflächen oder Hausfassaden, also in der materiellen Realität auffindbare immaterielle Bilder. Es sind negative Projektionen, bei denen Materielles als verschattete Leerstellen des Lichts sich in hell erleuchteten, aber leeren Zonen darstellt.
Eigentlich kann nur das stillebenhafte Bild diese Schattenspiele differenziert vor Augen führen, da es einen Moment festzuhalten und auszugestalten vermag, der in der Lebenswirklichkeit so flüchtig und einzigartig auftritt, daß er nur kurz und selten in der gleichen Gestalt wieder anzutreffen ist. In Annette Besgens Bildern ist Zeit stillgestellt, um Momente dieses ebenso flüchtigen wie erhabenen Lichtspiels anschaulich und wahrnehmbar werden zu lassen.

 

Auszüge: Bernd Finkeldey

in: Annette Besgen. Unter Brücken, hrsg. von der Galerie Ulrike Buschlinger, Wiesbaden, und der Galerie Steinrötter, Münster, 2002

 

 

Weitere Informationen zu Annette Besgen unter www.annette-besgen.de

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