FELIX CONTZEN:

New works - but where?

10. November - 16. Dezember 2017

Seit 2011 betreibt Felix Contzen (*1981), der zunächst an der Hochschule für Medien in Klön studierte und seit vier Jahren Gaststudent in der Klasse von Marcel Odenbach an der Düsseldorfer Kunstakademie ist, seine Suche nach dem Nichts. Über mehrere Kontinente haben ihn seine Reisen dabei geführt, seine neuesten Arbeiten, die er nun in der galerie januar präsentiert, sind in den USA entstanden.

 

Ruhig und fast schon melancholisch erscheinen die Fotografien aus der Salzwüste oder des nächtlichen Sternenhimmels. Natur in ihrer absoluten Reinform, nichts menschliches stört. Und doch sind die Aufnahmen perfekt komponiert, wenn etwa die Horizontlinie die Motive mittig durchschneidet. Der Betrachter kann in den Bilder versinken, die Ästhetik der Natur genießen und wird doch immer wieder auf sich selbst und seine eigene Bedeutung in der Welt zurückgeworfen.


Generell spielt die Beziehung zwischen Mensch und Natur eine zentrale Rolle im Schaffen des Wuppertalers, wie die Bilderserie "life imitates life" eindrücklich beweist. Erst bei genauem Hinsehen lassen sich die Manipulationen erkennen, die der Künstler vorgenommen hat. Mal versucht sich ein Stein auf einem Geröllhaufen zu verstecken, ein anderes Mal tarnt sich ein kugeliger Busch vergeblich zwischen anderen Artgenossen. Contzen hat die Protagonisten seiner Fotografien mit Tarnnetzen bedeckt und enttarnt sie damit gleichermaßen. In gewisser Weise lenkt er die Aufmerksamkeit durch den Akt des Verhüllens gerade auf die jeweiligen Objekte, die zugleich natürlich und künstlich erscheinen, wodurch sich die Frage nach den Grenzen der Nachahmung und der Imitation von Natur durch den Menschen stellt.


Wie eine Persiflage wirkt in diesem Zusammenhang die ausgestellte Camouflage-Jacke, die aus Stoffteilen unterschiedlicher Warnwesten zusammengesetzt ist. Soldaten tragen ähnliche Kleidung, wenn auch in anderen, eher natürlichen Farbtönen, um so möglichst lange unentdeckt zu bleiben und auch militärische Fahrzeuge erhalten je nach Einsatzort mal eine weiße, bräunliche oder grünliche Lackierung. Und dennoch bleiben Mensch und Maschine immer Fremdkörper, wenn sie sich im Einsatz befinden. Die neonfarbene Tarnjacke scheint vielmehr für einen vom Menschen gemachten Raum, als für eine natürliche Umgebung konzipiert zu sein. Fast schon grotesk mutet es an, wenn diese beiden Welten aufeinander treffen. Felix Contzen hat Wanderer und Touristen mit seiner Kamera eingefangen, die auf der Suche nach der Schönheit der Natur sind und sich selbst durch ihre bunt leuchtenden Kleidungsstücke zum Mittelpunkt ihrer Umgebung machen. Fast so scheint es, geht es ihnen hierbei mehr um das Motto „Sehen und gesehen werden“, als um das reine Naturerlebnis.


Der Titel der Ausstellung New Works – but where? zeigt, dass das menschliche Streben nach einer Perfektionierung der Natur und der Versuch einer Ebenbürtigkeit zum Scheitern verurteilt ist: Er selbst und das von ihm Geschaffene wird in gewisser Weise immer Fremdkörper bleiben.

 

                                                                                                                                Text: Thomas Hensolt

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